Diese Rocker kämpfen für die Bundeswehr

MOTORRAD-CLUB „RECONDO VETS“

Diese Rocker kämpfen für die Bundeswehr

Ex-Soldaten wollen das Ansehen von Veteranen in der Bundeswehr steigern

von: M. KIEWEL UND C. SPREITZ veröffentlicht am 11.06.2017 – 14:34 Uhr

Mehr als 380 000 Bundeswehrsoldaten waren seit Ende des Kalten Krieges im Auslandseinsatz, aktuell sind es 3000.

Doch einen Veteranen-Tag gibt es für sie oder die Hinterbliebenen der Dutzenden Gefallenen bis heute nicht.

Ehemalige und aktuelle Soldaten haben deswegen in Berlin den Motorrad-Club „Recondo Vets“ gegründet: Mit ihren Maschinen, Kutten und Abzeichen wollen sie auf das Schicksal ihrer Kameraden aufmerksam machen.

MUERTE (62, von 1973 bis 1980 Militärpolizist bei der U.S. Air Force)

„Während des Kalten Krieges konnten auch Deutsche bei den amerikanischen Streitkräften dienen. Ich habe mich dafür entschieden, weil große Teile meiner Familie aus Amerika kommen. Natürlichen hinken wir, bedingt durch die Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, beim Umgang mit unseren heutigen Veteranen im Vergleich zum Ausland sehr hinterher. In Amerika gibt es Gedenktage, aktive Veteranenarbeit – in Deutschland gar nichts. Ich glaube auch nicht, dass sich das in den nächsten Jahren verändern wird, leider. Ändern wird sich erst etwas, wenn Veteranen, die heute in Afghanistan oder Mali im Einsatz sind, in die Politik gehen, Karriere machen und dort Punkte setzen können. Das wird aber noch Generationen dauern.“

MUERTE
PSYCHO (53, von 1982 bis 1985 bei der NVA)
PSYCHO

„Wir hatten damals keine Zwei- oder Dreibett-Zimmer. Wir waren zu neunt, teilweise zu zehnt. Das schweißt zusammen. Uns wurde zwar von oben eingetrichtert, dass die Soldaten im Westen der ,Feind‘ sind. Aber auf unserer Ebene war das nie der Feind, wir haben das nicht geglaubt. Heute, nach der Wende, kommen wir sowieso hervorragend miteinander aus. Man hat gemerkt: Wir sind alle Deutsche, egal ob im Westen oder Osten geboren. Und wir sind alle Menschen. Es ist desolat, wie heute in Deutschland mit den Veteranen umgegangen wird. Die politische Führung schickt die Leute in die Einsätze, viele kommen mit Traumata zurück. Und dann werden sie im Stich gelassen. Für mich ist das eine Sauerei.“

LENIN (37, von 1997 bis 2002 bei den Fallschirmjägern)

„Ich war dreimal im Auslandseinsatz, einmal in Bosnien, zweimal im Kosovo. Das war eine sehr prägende Zeit. Einerseits waren wir mit großem menschlichen Leid konfrontiert und haben geholfen, andererseits gab es auch Momente, in denen man die Waffe in der Hand hatte und kurz davor war, abdrücken zu müssen. Es gibt diese eine Szene, die ich bis heute im Kopf habe: Wir sind in ein entlegenes Bergdorf gefahren und haben dort Hilfslieferungen hingebracht. Diese kleinen ausgemergelten Kinder, die noch mehr Scheiße gesehen und erlebt haben als wir – das werde ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen. Nach meinem ersten Einsatz war ich zurück in Deutschland und bin über eine Straße gefahren. Irgendwo am Rand habe ich im Augenwinkel eine rote Geländemarkierung gesehen. Ich bin in meinem Auto zusammengezuckt, wollte nur noch weg – denn für mich bedeutete rote Markierung: Minenfeld! Das hat mich schon erschreckt. Ich hätte vorher nie gedacht, dass ein Einsatz so nachhallt.“

LENIN
COWBOY (42, von 1996 bis 1998 bei der Instandsetzungstruppe)
COWBOY

„Es war super interessant, ich hatte super Kameraden. Deswegen war ich auch bis 2013 in der Reserve, hatte immer wieder Schießübungen und Erste-Hilfe-Lehrgänge. Ich reise jedes Jahr einmal in die USA und erlebe dort, wie mit den Veteranen umgegangen wird. Die werden nicht angespuckt! Bei uns darf man ja schon das Wort ‚Veteranen‘ gar nicht richtig in den Mund nehmen. Viele kommen nach ihrem Auslandsdienst wieder – und dann werden sie fallen gelassen. Das finde ich sehr schade. Deswegen veranstalten wir auch unseren ,Memorial Run‘, um der Gefallenen und ihrer Angehörigen zu gedenken.“